Ein nahestehender Mensch verstirbt, und die Rechnungen laufen weiter. Oft erst in den Tagen nach dem Todesfall wird Familien das Ausmaß der finanziellen Folgen bewusst. Zwischen sofort zu zahlenden Bestattungskosten und eingefrorenen Bankkonten entdecken viele zu spät, was auf sie zukommt.
Hier sind fünf Ausgaben, die nach einem Todesfall andauern und Erben am häufigsten überfordern – mit praktischen Tipps, um nicht überfordert zu werden.
Warum bleiben bestimmte Ausgaben nach einem Todesfall unbeachtet?
Der Verlust eines nahestehenden Menschen geht mit emotionalem Schock einher, der wenig Raum für administrative Voraussicht lässt. Familien denken zunächst an die Beerdigung, entdecken dann aber über Wochen hinweg, dass weitere finanzielle Verpflichtungen des Verstorbenen auf sie zurückfallen. Banken, Sozialversicherungen und Finanzämter arbeiten nach genauen Zeitplänen und Regeln, die der Öffentlichkeit oft unbekannt sind.
Dieses Unwissen erklärt, warum so viele Familien hilflos Ausgaben gegenüberstehen, die sie nicht eingeplant hatten. Das Verständnis dieser Abläufe im Voraus hilft, unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
1. Bestattungskosten: eine sofortige und oft unterschätzte Rechnung
Dies ist die erste Ausgabe, der Angehörige konfrontiert werden – manchmal nur wenige Stunden nach dem Todesfall. Die durchschnittlichen Kosten für eine Beerdigung liegen zwischen 3.500 und 6.000 Euro je nach gewählten Leistungen: Sarg, Transport, Trauerfeier, Grabplatz. Oft muss diese Summe bereits vor der Nachlassöffnung bezahlt werden.
Das Bundesjustizministerium nennt einen Pauschbetrag von 15.000 Euro, der ohne Nachweis als Nachlassverbindlichkeit abziehbar sein kann. Ohne vorher abgeschlossene Sterbegeldversicherung oder Bestattungsvorsorge müssen Angehörige die Kosten aus eigenen Mitteln vorstrecken, während sie auf Erstattung warten.
2. Die Sperrung von Bankkonten und der begrenzte Zugang zu Liquidität
Sobald die Bank vom Todesfall erfährt, werden die Einzelkonten des Verstorbenen eingefroren. Die Kontosperrung verhindert alle Abhebungen, alle ausgehenden Überweisungen und sogar programmierte Auszahlungen. Ein Gemeinschaftskonto bleibt in der Regel für den überlebenden Ehepartner nutzbar, unterliegt jedoch Einschränkungen je nach Bank.
Diese Sperrung kann mehrere Wochen andauern, bis das Nachlassgericht die erforderlichen Unterlagen ausstellt. Während dieser Zeit müssen Erben manchmal aus eigenen Mitteln Ausgaben finanzieren, die theoretisch aus dem Nachlass gezahlt werden sollten.
3. Laufende Kredite (Immobilien-, Verbraucherkredite) und Schulden des Verstorbenen
Ein Immobilienkredit oder Verbraucherkredit verschwindet nicht mit dem Tod des Kreditnehmers. Wurde beim Kreditabschluss eine Restschuldversicherung abgeschlossen, übernimmt diese die restliche Schuld oder einen großen Teil davon, wodurch die Erben von der Schuldenlast befreit werden. Ohne solche Absicherung laufen die Ratenzahlungen weiter und werden zur Last des Nachlasses.
Erben sind nicht verpflichtet, diese Situation zu akzeptieren. Das deutsche Erbrecht erlaubt es, einen Nachlass auszuschlagen, wenn die Schulden des Verstorbenen das verfügbare Vermögen übersteigen – eine Option, die sorgfältig geprüft werden sollte, denn die Annahme einer Erbschaft verpflichtet auch für passive Lasten.
| Ausgabe | Dauer der Sperrung | Mögliche Lösung |
|---|---|---|
| Bestattungskosten | Sofort | Bankfreigabe bis 15.000 € |
| Bankkonten | Mehrere Wochen | Nachlassgericht / Unterlagen |
| Immobilienkredit | Andauernd | Restschuldversicherung |
| Abonnements | Bis zur Kündigung | Schreiben mit Sterbeurkunde |
| Wohnungsausgaben | Bis Verkauf/Kündigung | Aufteilung unter Erben |
4. Laufende Rechnungen, die weitergehen (Abonnements, Nebenkosten, Miete)
Telefon, Internet, Streaming, verschiedene Versicherungen: Die vom Verstorbenen abgeschlossenen Abonnements unterbrechen sich nicht automatisch. Man muss eine Sterbeurkunde an jede Institution schicken, um die Kündigung zu erwirken. Manche Verträge sehen Kündigungsfristen vor, die zusätzliche Gebühren generieren. Rechnungen nach dem Todesfall häufen sich so an, ohne dass jemand sie voraussieht.
War der Verstorbene Mieter, bleibt die Miete bis zum Ende des Mietvertrags oder dessen rechtlicher Übertragung auf einen Miterben oder den überlebenden Ehepartner geschuldet. Laufende Nebenkosten wie Strom, Gas oder Wasser werden weiterhin in Rechnung gestellt, solange die Verträge nicht gekündigt oder auf einen Erben übertragen werden.
Der klassische Fehler: Sozialversicherungen vergessen
Viele Familien glauben, alles geregelt zu haben, wenn sie Bank und Nachlassgericht informiert haben. Aber auch die Krankenkasse, die Rentenversicherung oder die Berufsgenossenschaft müssen schnell informiert werden – sonst drohen später Rückforderungen von zu Unrecht gezahlten Leistungen.
5. Lasten im Zusammenhang mit Wohneigentum und Immobilienvermögen
Besaß der Verstorbene sein Eigenheim oder andere Grundstücke, bleibt die Grundsteuer, Nebenkosten der Eigentümergemeinschaft und Instandhaltungskosten bis zur Regelung des Nachlasses fällig. Ein leerstehende Immobilie generiert weiterhin Kosten, einschließlich Gebäudeversicherung, auch wenn niemand darin wohnt.
Das Immobilienvermögen ist Teil der Erbmasse, aber die praktische Verwaltung fällt oft auf die Erben, während sie auf die Aufteilung warten. Das Nachlassgericht spielt hier eine zentrale Rolle, um die Rechte jedes Erben klarzustellen und Konflikte über die Kostenverteilung während dieser Übergangszeit zu vermeiden.
Vorausplanen, um nicht überfordert zu werden
Der beste Schutz gegen Ausgaben, die nach einem Todesfall weiterlaufen, ist die Vorausplanung. Eine Sterbegeldversicherung abzuschließen, ein klares Testament zu verfassen und nahestehende Menschen über bestehende Verträge zu informieren, reduziert Überraschungen erheblich. Für Erben bedeutet Vorsicht, nichts überstürzt zu akzeptieren und einen Nachlassanwalt oder Notär zu konsultieren, bevor man den Nachlass annimmt.
Gegenüber Gläubigern haben Erben eine Bedenkzeit, um sich zwischen voller Annahme, beschränkter Annahme oder Ausschlagung zu entscheiden. Diese Wahl verdient sorgfältige Überlegung mit professioneller Unterstützung, denn die finanziellen Folgen einer schlechten Entscheidung können lange Zeit die Familienfinanzen belasten.





